Die Geschichte des „Rokokoschlösschen“

Historische Ansicht von 1930

geschiche_hausDas Haus wurde 1755 – 1760 erbaut, als ein dreiachsiger Quaderbau mit individueller Fassadenbildung und Obergeschosserkern, auf der Türachse von halbrund geschweiften Grundriss auf „toskanischen Säulen“ mit Diglyphen.

Die Brüstung ist mit „Rocaillerreliefs“ geschmückt und die Flankierung der Türachsen wird von korinthischen Halbsäulen getragen.

In dieser Eigenschaft wurde das Haus anno 1755/56 laut Partikular im Jahr 1757 Nr. 377 als Sicherheit für eine Hypothek von „400 Gulden kaiserlicher Währung“ zum ersten Mal erwähnt.

Erbaut am damaligen „Gaismarkt“ von dem Strumpfmacher Georg Friedrich Stäubensand und dem Zimmermeister Johann David Haselmann, beide Bürger daselbst.

rundgang_hausDie Legende aber besagt, dass die im Erlanger Markgräflichen Schloss residierende „Markgräfin“ Marie Caroline Sophie von Brandenburg – Culmbach das Haus als Jagdschlösschen erbaut haben soll und von „dero Forstmeister“ bewohnt worden sei, der das Gestüt hielt „gleich ohnweit der Reiterbahn“, die sich bis 1843 auf dem südlichen Teil des Gaismarktes, heutiger Theaterplatz, befand, der nahe dem Schloss war und die markgräfliche Schlossherrin – als leidenschaftliche Reiterin bekannt – ihre Reit- und Jagdgesellschaft im „Jagdschlösschen“ versammelte.

Heimatforscher gingen der Legende nach, stöberten in alten Chroniken und entdeckten statt der Brandenburg – Culmbacher Markgräfin eine Frau „Starkgräfin“ ( geb. Deckerin ), die als Nachbesitzerin 1762 genannt ist. Zudem entpuppte sich der Forstmeister als „Postmeister“ namens Wels, welcher auf dem Erbwege 1768 das Anwesen erhielt.

Es verwundert niemand, dass dieses schmucke Haus sagenumwoben ist, denn der Bau fiel und fällt noch heute sehr aus dem Rahmen der üblichen Bauweise.

Das „Rokokoschlösschen“ – wie es die Erlanger Bürger nennen, wechselte dann noch oft den Besitzer durch ständige Weitervererbung, so gelangte es in die Hände von Frau Kunigunde Eleonore Kraft, der Tochter von Frau Gertraud Barbara Wels. Diese vermachte es ihrem Neffen Herrn Albrecht Heinrich Julius Wels, Magistratskanzlist. Danach wurde es im Intelligenzblatt der Stadt Erlangen vom 16.12.1851 zum Kauf angeboten. Der nächste erwähnte Besitzer war dann Johann Adam Bertholdt, ab 1856 Privatier. Um 1870 – 1875 wurde Johann Adam Hildebrand, Handschuhfabrikant, in dem Adressbuch von 1875 als Besitzer genannt. Zwischenbesitzer wurden dann laut Bauakte 1876 Herr Konrad Dietz, Handschuhfärber von Beruf. Der Bäcker Friedrich Herzog kaufte das Anwesen um 1876/77. Herr Herzog verkaufte das Anwesen wieder 1878 an Herrn Anton Götz, Melber und Spezereihändler. Dieser behielt das „Häuschen“ von 1878- 1896 durch Vererbung in seiner Familie. Dann kaufte es eine Familie Reich, die es ab 1896 – 1951 wiederum durch Vererbung in ihrem Familienbesitz hielt.

geschiche_kircheFast alle der hier aufgeführten Besitzer waren Nachfahren der Hugenotten, die in Erlangen 1686 einwanderten. Namentlich gibt es nur noch zwei Familien in Erlangen, die von Hugenotten abstammen und zwar die Familie Mengin und Vache. Auch der Urgroßvater, väterlicherseits, der Familie Krettner, Herr Georg Mechs von Beruf Zimmermann, stammte von den Hugenotten ab. Die damals von den Hugenotten eingeführten Berufe sind heutzutage kaum noch Präsent, waren es aber noch zur Zeit unserer Besitzer des Rokokohauses.

Neu – Erlangen wurde der Bezirk genannt wo sich 1686 Hugenotten aus aller Welt, auch aus vielen Teilen Deutschlands niederließen, um abzuwarten bis sie wieder nach Frankreich zurückkehren konnten . Der Gedanke der Rückkehr war bis Anfang des 18.Jahrhunderts lebendig, doch dann richteten sie sich hier ein, da sie in ihrer Heimat erst nach der Französischen Revolution toleriert wurden. So kam es auch, das damals in Neu-Erlangen 317 Deutsche und rund 1000 Franzosen lebten. Dieses Verhältnis glich sich nach und nach immer mehr aus und kehrte sich sogar in den nächsten 20-30 Jahren um. Die französisch Reformierten lebten zwar Anfangs noch in Kolonien, doch sie passten sich immer mehr ihrer Umgebung an, so das 1740 das Einwohnerverhältnis nicht mehr in deutsch -und französische Nation getrennt wurde. Noch bevor die Mitte des 18.Jahrhunderts erreicht war, sprachen die Hugenotten für gewöhnlich die deutsche Landessprache. Mit dem allmählichen Verlust der französischen Sprache ging auch die Fremdartigkeit verloren.

geschiche_eingang1785 wurde Erlangen von einem Zeitgenossen als blühende Stadt geschildert, in der Handel und Fabriken florierten und die Einwohner in Harmonie lebten. Die zahlreichen Flüchtlingsnachfahren hatten sich endlich mit der neuen Heimat abgefunden, und waren sogar zu wirtschaftlichen Erfolg gekommen.Erst durch die zugewanderten Hugenotten wurde Erlangen, das vorher eine Agrargesellschaft war, zu einem wirtschaftlichen Zentrum mit überregionaler Bedeutung.

Mit dem Ausgang des 18.Jahrhunderts war die Präsenz der Franzosen nahezu unmerklich geworden und die von ihnen in Erlangen heimisch gemachten Manufakturen verschwunden. Für die Verschiebung des Akzents sorgte die immer stärker werdende Profilierung Erlangens als Universitäts- und Residenzstadt. Die Bezeichnung „Hugenottenstadt “ setzte sich erst in den 30 er Jahren des 20.Jahrhunderts vollends durch. Im 19.Jahrhundert erhielt der “ Hugenottenbrunnen “ im Schlossgarten seinen Namen, nachdem er erst “ große Fontäne “ und später „Emigrantenbrunnen „geheißen hatte. Auch fand nach 1936 alle 2 Jahre das “ Hugenottenspiel “ im Schlossgarten statt, das an die Eingewanderten erinnern sollte.

1951 kaufte das Rokokohäuschen der Geigenbauer Artur Teller, der aus dem Sudetenland, dem heutigen Tschechien stammte, und übte hier bis 1960 sein Kunsthandwerk aus. Dank seines Kunstsinnes für historisch wertvolle Güter wurde das nunmehr baufällige Haus, unter Erhaltung der unter Denkmalschutz stehenden Fassade, neu erbaut, mit Hilfe des Architekten Paul Kupfer. Etwas besonderes sahen auch die damaligen Denkmalschützer in dem Haus. Die Stadt Erlangen, die Ämter für Denkmalpflege in München und Ansbach langten in die Tasche und gaben Zuschüsse für die Erhaltung der wertvollen Fassade; die tatsächlichen kosten wurden leider nicht gedeckt! Das Rokokohaus ist der einzige ausgesprochene Rokoko-Bau unter den Erlanger Bürgerhäusern; mit seinen zierlichen Formen hebt es sich deutlich von seiner nüchternen Umgebung ab.

Nur die Fassade wurde erhalten, dahinter befindet sich das heutige moderne Hotel Rokokohaus, das aber den Rokokostil der Fassade auch im Inneren beibehalten hat.

So entstand also 1965 das- was es heute ist-  ein in Familienbesitz und von der Familie Krettner, Nachfahren des Herrn Teller, geführtes – weitbekanntes  HOTEL ROKOKOHAUS!

1965 waren es 15 Doppel- und Einzelzimmer die die Gäste anlockten, heute befinden sich hinter dieser zierlichen Fassade 17 Einzel- und 20 Doppelzimmer.

Auch gibt es eine Dependance im ebenfalls denkmalgeschützten Gebäude, Theaterplatz 19, in der sich nochmals 5 Nichtraucherzimmer befinden. Schon im Eingangsbereich der Dependance mit seinen dicken Fachwerk-Holzbalken und seiner Spunddecke verströmt das Gebäude historisches Flair. Eine urige Treppe führt nach oben zu den jeweils mit persönlicher Note eingerichteten Zimmern. Sat-TV, Minibar, Telefon, Internetanschluß, angenehme Fußbodenheizung und geräumig, hell geflieste Bäder sind Standard. Doch jeder Raum besticht zusätzlich durch seine Individualität.

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